Restaurierung der Statue von Giulio Ricordi
Jahr: 2016
Ort: Mailand
Die Statue von Giulio Ricordi, die von Luigi Secchi geschaffen und in den 1920er Jahren von Freunden und Mitarbeitern der Casa Ricordi in Auftrag gegeben wurde, wurde ursprünglich in Mailand am Eingang der Fabrik in der Viale Campania aufgestellt. Später wurde sie in die Innenhöfe der Palazzo-Zentrale Ricordi in der Via Berchet verlegt und schließlich in einer Ecke eines großen Gebäudes mit Büros und Musikarchiven in einem Schuppen neben dem ehemaligen Eingang der Ricordi-Lagerhäuser an der Ecke Via Salomone und Cassio vergessen.
Das Sanierungsprojekt der Piazza della Scala erforderte die Aufgabe eines für Motorradparkplätze genutzten Bereichs zugunsten des neuen und endgültigen Standorts des Denkmals für einen der größten Musikverleger der letzten zwei Jahrhunderte.
Die von uns vorgeschlagene Intervention umfasste eine Reihe von Maßnahmen, die auf die angemessene Erhaltung des Steinmonuments abzielten.
TEIL EINS
Ein erster Teil der Arbeiten konzentrierte sich auf die eingehende Beobachtung, die es ermöglichte, makroskopische Daten zu den baulichen Besonderheiten zu erfassen und die spezifischen Merkmale der einzelnen Bestandteile objektiv zu identifizieren und zu dokumentieren.
TEIL ZWEI
Anschließend führten wir eine fotografische Erfassung durch, wobei wir auch Techniken der Fotorektifizierung nutzten, die eine exakte Beschreibung des Objekts und die Erfassung von Details ermöglichen, die für die anschließende Restaurierungsphase nützlich sind. Auf Grundlage der fotografischen Erfassung erstellten wir dann eine detaillierte Schadenskartierung, die zur Erklärung der einzelnen Konservierungs- und Demontageverfahren der Statue diente.
Für die Transportphase wurde die Statue mit einem Vliesstoff geschützt und in einer energieabsorbierenden Verbundverpackung gesichert. Anschließend wurde sie auf einen Lastwagen verladen und in unser Labor transportiert, wo der Erhaltungszustand des gesamten Objekts festgestellt wurde. Hier führten wir verschiedene Probenahmen zur Durchführung diagnostischer Untersuchungen durch.
Zunächst führten wir eine zerstörungsfreie Erstuntersuchung durch, indem wir die Steinoberfläche mit einem tragbaren digitalen Mikroskop analysierten, um gezielt jene Bereiche zu identifizieren, die für nachfolgende Laboranalysen beprobt werden sollten. In einer zweiten Phase wurden Proben aus den zuvor festgelegten Bereichen entnommen, um eine mineralogisch-petrografische Analyse durchzuführen.
Die durchgeführten Maßnahmen lassen sich in folgende Kategorien unterteilen: vorbereitende Eingriffe, Desinfestation, chemische Reinigung, Konsolidierung, Mikroverfugung und Schutz.
Die vorbereitenden Maßnahmen umfassten die Entfernung von nicht haftenden oder teilweise haftenden Oberflächenablagerungen sowie die partielle Wiederherstellung der Oberflächenkohäsion als Vorbereitung für die anschließenden Reinigungsarbeiten.
In der nächsten Phase führten wir die Desinfestation von Kolonien autotropher und/oder heterotropher Mikroorganismen durch die Anwendung eines Biozids und anschließender mechanischer Entfernung durch. Dies umfasste zudem die Entfärbung der Rückstände von Mikroorganismen und eine abschließende Behandlung mit Biozid, um zukünftigen Befall durch autotrophe Mikroorganismen zu verhindern.
Für die chemischen, chemisch-physikalischen und mechanischen Reinigungsmaßnahmen entfernten wir zunächst zusammenhängende Oberflächenablagerungen, Verkrustungen, Konkretionen und veränderte Fixiermittel durch die Anwendung von in einer gesättigten Lösung aus anorganischen Salzen oder Ammoniumcarbonat getränkten Zellstofftabletten. Anschließend erfolgte eine finale Reinigungsphase, in der wir Rückstände kompakter und haftender Ablagerungen mit mechanischen Handwerkzeugen und Präzisionsinstrumenten beseitigten. Lösliche Salze wurden durch die Anwendung von demineralisiertem Wasser in Suspension mit Löschpapier, Sepiolith-Tabletten oder Zellulosepulpe extrahiert.
Zur Konsolidierung stellten wir die Kohäsion durch Imprägnierung mit Ethylsilikat wieder her. Bei der Mikroverfugung und ästhetischen Präsentation konzentrierten wir uns auf das Mikroverfugen mit Mörtel, um das Eindringen von Regenwasser und Luftfeuchtigkeit in den geschädigten Stein zu verhindern oder zu verlangsamen. Zudem führten wir eine lasierende farbliche Retusche durch, um die Ergänzungen harmonisch in das Gesamtbild einzufügen.
Abschließend wurde eine Oberflächenbehandlung mit Polysiloxan durchgeführt, um die zukünftige Degradation des Steinmonuments zu verlangsamen.
Nach Abschluss aller Arbeiten wurde die Statue an ihrem endgültigen Standort wieder aufgestellt, wobei die Sockelteile vor Ort zusammengesetzt und platziert wurden.


